Biografische Intentionen zu meiner Arbeitsweise
Die Brücke zwischen Heilen und Kunstschaffen

Als Kind habe ich aus einem tiefen Bedürfnis heraus gemalt, mit Erde gearbeitet und „Erdhäuser“ gegraben und gebaut. Mit 18 entdeckte ich meine Leidenschaft mit Ton zu plastizieren und begann große keramische Gefäßplastiken und Skulpturen aufzubauen. Später sagte eine Designerin zu mir: „Deine Arbeiten erinnern mich an Henry Moore.“ „Henry Moore?“ Ich entdeckte und studierte seine Maquetten und Skizzenbücher aus den U-Bahn-Stationen, London, im 2. Weltkrieg. Viele Jahre meines Lebens waren vom Arbeiten mit Ton geprägt.
Zunächst als Dipl. Sozialpädagogin habe ich den Werkstoff Ton als kommunikatives Medium in der Erwachsenenbildung eingeführt. Ein Stipendium vom Dt. Volkshochschulverband führte mich zu die Kulturen Afrikas und einem Aufenthalt in Ghana um mehr über das soziale, kulturelle und traditionelle Leben dieses Kontinents zu erfahren. Voller Eindrücke, Farben und Formen kehrte ich zurück und multiplizierte meine Freuden und Erfahrungen in der Jugend- und Erwachsenenbildung.
In meiner Lebensmitte erreichte mich eine Lebenskrise. Die Trennung von meinem damaligen Partner und Vater meiner Kinder durchrüttelte meine Biografie. Meine jüngste Tochter wurde zu meiner biografischen Entwicklungshelferin. Sie war an einer einseitigen Schallschwingungs-schwerhörigkeit erkrankt. Durch einen „Zu-fall“ entdeckte ich einen Hinweis auf die Heilweise der Chirophonetik nach Dr. Baur. So führten mich meine Wege zum Studium dieser Therapie nach Österreich. Heute kann sie wieder normal hören. Meine Hände sind über die Jahre des therapeutischen Streichens und Tönens der Ur-Laute auf die Körper der Menschen „sehend“ geworden. Heute weiß ich, dass das Plastizieren von organischen Formen in Ton mich auf meine heutige, energetische Heilarbeit am Menschen vorbereitete.

Während dieser Krisenzeit führte mich mein Weg zurück zur Malerei. Sie wurde zu meiner Kraftquelle. Aus eigenen Einkünften begann ich mit meinen privaten Malstudien, damals bei Thomas Egelkamp in Bonn. Es sprudelte nur so aus mir heraus und nach drei Jahren des intensiven Arbeitens gestaltete ich meine erste eigene Ausstellung. Die Resonanz war positiv und ermutigte mich weiter zu malen. Es folgten weitere vier berufsbegleitende Jahre an der Alanus-Kunstakademie in Bonn. Die experimentelle Malerei wurde zu meiner großen Leidenschaft. Sie ermöglicht mir, tiefe Empfindungen und Intuitionen, der feinstofflichen, energetischen Heilarbeit kreativ-bildnerischen zu übersetzen. Die Natur, der Mensch und unsere geformte Sprache sind mir wertvolle Inspiration. Angeregt durch das philosophische Werk Josef Beuys und seine SOZIALE PLASTIK, gehe ich meinen Weg ohne künstlerische Vorbilder. Meine Bildwerke entstehen aus mir, in mir, aus meiner heilenden Arbeit am Kunstwerk MENSCH.

In der Freiheit des künstlerischen Ausdrucks, genieße ich das Experiment und erfreue mich
an den Zufällen. Ich akzeptiere den Ideenreichtum in mir, respektiere meine Kraft, diese Werke zu schaffen und versuche, andere Menschen damit zu erreichen und zu ermutigen, damit auch sie ihren Weg finden.

Die “STOFFE“, aus denen meine Bildwerke und Triptycha gestaltet sind:
Papiere, Skizzen, textile Gewebe, gefundene Materialien, Folien, Metalle, Erde, Sand, Pigmente, diverse Öle, Gouache, Eigelb und Eiweiß.

Anne Kempmann